Kanu-WM in Bratislava – Geschichte wird gemacht

Zum ersten Mal in der Geschichte des Kanu-Slaloms gibt es eine Olympiasiegerin und Weltmeisterin im gleichen Jahr. Olympiasiegerin Ricarda Funk wird Weltmeisterin und Elena Apel (Augsburg) holt Silber. Gold und Silber – besser kann es fūr das deutsche Team nicht laufen. 

Durch die Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr war nun erstmals ein WM-Titel und Olympiasieg im selben Jahr möglich geworden. Ricarda hat diese historische Chance genutzt und zu ihrem Gold von Tokio auch noch den WM-Titel hinzugepackt. Trotz 2 Strafsekunden am vorletzten Abwärtstor reichte es mit 2,51 Sekunden Vorsprung zum Sieg in Bratislava. 

„Es ist verrückt, ich war so im Fluss bei meinem Rennen und dann sah ich die Zeit im Ziel und ich war einfach nur glücklich“, so die Rheinländerin in der Leaders Box. Dauerkonkurrentin Jessica Fox (Australien) kegelte sich mit 50 Strafsekunden bereits im Halbfinale aus dem Rennen.

Foto: Franz Anton.

WM-Auftakt gelungen

Souverän präsentierte sich Kajak-Spezialistin Ricarda Funk  zum WM-Auftakt in Bratislava. Mit einem fehlerfreien Lauf reihte sich die Tokio-Olympiasiegerin hinter die WM-zweite von 2019 Jessica Fox ein.

Funk kann historisch erstmals und vermutlich auch einmalig, im gleichen Jahr auch den Weltmeistertitel holen. Möglich ist dies durch die einjährige Verschiebung der Sommerspiele. Denn normalerweise finden im Olympia-Jahr keine Weltmeisterschaften statt.

Das Halbfinale und Finale findet am Samstag ab 09:00 Uhr statt.

Slalom Extreme

Auch der Auftakt in der neuen Disziplin ”Slalom-Extreme” (CSLX) ist gelungen. Funk setzt bei ihrem CSLX WM-Debüt im Einzellauf die Bestzeit. Ob das allerdings aussagekräftig für den Kampf Boot gegen Boot bzw. Frau gegen Frau ist, wird sich noch zeigen. Denn in den Finalläufen fahren gleich vier Boote gemeinsam und müssen sich im direkten Fight gegeneinander durchsetzen.

Ergebnisse auf:

https://www.canoeicf.com/canoe-slalom-world-championships/bratislava-2021/results

Live-Video: https://www.canoeicf.com

Text Thorsten Funk

Ricarda Funk holt sich Olympiagold

Ricarda hat mit ihrer olympischen Goldmedaille das erste Gold überhaupt für Deutschland in Tokio 2020+1 geholt.

Es waren bewegende Momente für die 29-jährige Rheinländerin, die so lange auf ihren ersten Start bei Olympischen Spielen gewartet hatte. Es war seit vielen Jahren ein Auf und Ab der Gefühle. 2016 als Weltcup-Gesamtsiegerin die Spiele in Rio verpasst, schaffte sie es 2019 endlich, sich zu qualifizieren. Dann kam die Corona-Pandemie – und dann das Warten, ob die Spiele in Tokio überhaupt stattfinden. „Ich glaube es erst, wenn ich an der Startlinie stehe“, hatte Rici irgendwann gesagt. Nach dieser Achterbahn der Gefühle reitet sie auf den wilden Wellen im Kanal in Tokio zu Olympiagold und erfüllt sich damit ihren größten Traum, „den Lauf ihres Lebens bei Olympia“, wie sie vor den Spielen sagte.

Foto: P. Reichenbach

Empfang in der Heimat

Der Stadtbürgermeister und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Breisig, Marcel Caspers, gratuliert zum olympischen Gold. Nach ihrem Olympiasieg in Tokio ist Ricarda zurück in Bad Breisig und wurde von unserem Stadtoberhaupt am Elternhaus empfangen. Bruder Alexander hatte über Nacht Autogrammkarten entworfen, die am frühen Morgen vom Druckhaus-Fuck produziert wurden. Ricarda konnte die erste Karte aus dem vor wenigen Minuten zuvor erstellten Kartensatz überreichen. 1 aus Serie 1 von 200; quasi Druckfrisch!

JETZT haben wir eine Olympionikin – Gold in Tokio

Ricarda holt olympisches Gold in Tokio im Kajak der Frauen und vor allem das erste Gold für das deutsche Team überhaupt. Besonders in dieser Situation ist diese Medaille ein echter Sonnenschein. Ein kleiner Patzer bei Tor 15 zu 16. Den hat Rici aber wieder gut ratsgepaddelt. Ein Dankeschön auch an alle, die mit auf diesem Weg gearbeitet haben. Walter Senft, Jenny Apel und Christian Bahmann als ehemalige D-Kaderleiter, Jürgen Schubert als Disziplintrainer der Juniorinnen bei Wettkämpfen mit der Nationalmannschaft, Stefan Henze und schließlich Thomas Apel als Bundestrainer der Frauen. Nicht zu vergessen der Cheftrainer Klaus Pohlen und der ehemalige Cheftrainer Michael Trummer oder unser Sportpsychologe Kai Engbert. Und alle die im Hintergrund ihren Job machen wie die Sportwissenschaftler Christian Kaeding oder Michael Keim und viele mehr. Man sieht – das Team ist ganz schön groß, um eine kleine Medaille zu paddeln… die Liste würde noch um einiges länger gehen…

Thomas Apel

Vielen Dank an Thomas Apel! Wenn im Kanusport ein Trainer „baden geht“, dann wurde er nicht gefeuert, sondern hat mit seinen Sportlern einen WM-Titel oder einen Olympiasieg eingefahren. Traditionell wird der Coach dann ins Wasser geschmissen. So auch in Tokio nach Ricardas Goldlauf. Wobei das vermeintlich kühle Bad keines war, denn die Wassertemperatur war zuweilen heißer als die Luft. Vielen Dank an Thomas Apel für die gute und fürsorgliche Arbeit.

Touch down – happy landing

Ankunft in Frankfurt. Gelandet und vom KSV Bad Kreuznach mit Jubel empfangen, dazu haben sich ein paar Japaner mit eingereiht, die zufällig vorbeikamen. Eine schöne Geste. Nach dem Empfang ging es sofort zu den ersten Presseterminen.

Funk steht im Halbfinale der OS in Tokio

Ricarda Funk gewinnt den ersten Qualifikationslauf im Kajak der Frauen. Sie konnte sich souverän im ersten Anlauf auf der schwierig gefangenen Strecke für das Halbfinale qualifizieren. Taktisch klug hat sich Rici durch den Stangenwald geschlängelt. Lediglich zwei Strafsekunden bei einer Rückwärtsdrehung in einem sonst präzisen Lauf.

Die Endabrechnung der Qualifikationsläufe geht Nach dem zweiten lauf dann (wie fast schon gewohnt) zugunsten der Australierin Jessica Fox aus. Funk steht damit auf Platz zwei im Halbfinale. Teamkollege Sideris Tasiadis ist mit Rang drei im Rennen der Einercanadier ebenfalls weiter. Damit ist für beide die erste Hürde geschafft. (Bei den Qualifikationsrennen kommt der jeweils beste Lauf in die Wertung)

Wie gehts weiter?

Morgen hat Sid um 07:00 sein Halbfinale. Die Finalrennen beginnen um 08:45.Die Frauen Kajak sind am Dienstag um 0700 dran, ab 0915 finden die Finalläufe statt. Die Canadier Frauen mit Andrea Herzog starten in die Qualifikation ebenfalls am Dienstag um 06:00, die Männer Kajak (Hannes Aigner) um 06:47.

Die Sportler haben im Moment besonders mit den Temperaturen zu kämpfen, denn auch die Wassertemperatur ist mittlerweile aufgeheizt und bietet keinerlei Abkühlung. Die Betreuer versuchen mit Kühltüchern Erholung zu verschaffen. Am Dienstag geht es weiter mit den Halbfinale- und Finalläufen.

Good Morning Tokio – Qualifikationsläufe am morgigen Sonntag

Qualifikationsläufe am morgigen Sonntag 

Ricarda (KSV Bad Kreuznach) muss sich morgen einem qualitativ hochwertigen Starterfeld stellen. 

Zum Beispiel der Australierin Jessica Fox, sie ist die zweifache Olympiamedaillengewinnerin, die nach Londoner Silber und Rio-Bronze ihrer Kollektion das fehlende Gold hinzufügen möchte.

Am Start sind auch die amtierende Weltmeisterin Eva Tercelj aus Slowenien und die Olympiasiegerin Maialen Chourraut (Spanien).

Zum Feld am Sonntag gehört weiterhin die jüngste Paddlerin Tokios, die Amerikanerin Evy Leibfarth. Die 17-Jährige gewann Anfang des Monats den Junioren-Weltmeistertitel.

Im Einercanadier geht zunächst der Silbermedaillengewinner von London, Sideris Tasiadis an den Start. Der Augsburger hatte sich in letzter Minute für Tokio qualifiziert. Nun fährt er als erster Deutscher über die Startlinie. Wir können Sideris um 06:00 unserer Zeit im Fernsehen und Live-Stream sehen. 

Interview mit Ricarda:

https://www.eurosport.de/kanu/olympia-tokio-2020/2021/kanutin-ricarda-funk-nach-gold-bei-wm-und-em-jetzt-olympiasieg-im-visier_vid1464424/video.shtml

Live-Streams:

https://www.zdf.de/sport/olympia/kanu

Wer noch im traditionellen Broadcasting schaut, hier übertragen jeweils ARD und ZDF im Wechsel: Sonntag 06:00 Herren CI; ab 06:47 Damen KI

Zeitplan und Ergebnisse – Kanu/Kayak-Slalom | Olympia Tokio 2021 (eurosport.de)

Alle Livestreams von Olympia 2021 – live aus Tokio | Sportschau – sportschau.de/olympia – Live

Es geht los

Endlich gehen die olympischen Wettkämpfe los. Slalomkanutin Ricarda Funk hat ihr Leben auf diesen Wettkampf ausgerichtet. Dieses Jahr werden es allerdings Spiele unter besonderen Bedingungen. Alle sind gespannt, wie Japan seine Eröffnungsfeier unter diesen Ausnahmebedingungen gestalten wird und wie die Veranstalter ihre eigenen Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen umsetzen. Schade aber, dass die Tribünen leer bleiben. Am 25. Juli soll Funk dann endlich über die Startlinie fahren (06:45 Uhr unserer Zeit). Zunächst gilt es die Qualifikation zu schaffen. Am darauffolgenden Dienstag folgt Halbfinale (07:00 Uhr) und Finale (09:00).

Ahr-Fluthilfe :: 117 Tote, 170 bestätigte Vermisste :: Spendenaufruf

Wer das romantische Ahrtal vom Wandern, Radfahren, Kanusport, Angeln oder vom Weingenuss her kennt, der wird es jetzt nicht wiedererkennen. Die Zerstörungen sind im Fernsehen schon kaum fassbar, die Realität ist aber deutlich härter.Der aufschießende Pegel zeigt (Grafik), in welchem Tempo sich das Wasser formierte. Ab 5 m hörte in etwa der Pegel auf zu melden. Keiner kann bisher sagen, welche Wasserhöhen tatsächlich angelegen haben. Es gibt keine funktionsfähige Brücke.

Die große vierspurige B9 Brücke ist zum Teil zerstört, insgesamt gesperrt wegen Einsturzgefahr. 117 Tote stand heute…170 bestätigte vermisste Personen!Wer etwas tun möchte und vor Ort selbst nicht aktiv sein kann, der kann dem Spendenaufruf der Kreissparkasse folgen. Die Kreissparkasse Ahrweiler stellt ein Spendenkonto bereit und hat selbst eine halbe Million Euro gespendet. Alle dort eingehenden Spenden werden direkt an die Betroffenen weitergeleitet.Spendenkonto „Hochwasser“ bei der Kreissparkasse Ahrweiler, IBAN: DE86 5775 1310 0000 3394 57, BIC: MALADE51AHR.https://kreis-ahrweiler.de/spendenkonto-fuer-vom…/

Kanutraining auf der Ahr – heute ein Trümmerfeld

Auf dem Weg nach Tokio

Abflug unserer vier Musketiere. Sid, Andrea, Hannes und Ricarda sind jetzt endlich auf dem Weg nach Tokio zu den Olympischen Spielen.

Touchdown soll nach unserer Zeit morgen früh um 06:00 Uhr sein, Ortszeit 18:00. 

Dann beginnt das Quarantäne-Training auf der Wildwasserstrecke. Die 200 Meter lange künstliche Wildwasserstrecke des Kasai Canoe Slalom Center wurde eigens für die Olympischen Spiele 2020 erbaut und wird jetzt ein Jahr später Austragungsort sein. Die Kanuslalom-Wettkämpfe beginnen am 25. Juli.

Letzter Test für Olympia – Weltcup in Markkleeberg

Letzter Test für Olympia. Silber für Ricarda Funk im Rennen der Kajak-Damen beim Weltcup. Beim letzten Wettkampf vor den Olympischen Spielen hat Rheinländerin noch einmal ordentlich Selbstvertrauen getankt. Beim Weltcup in Markkleeberg ist Funk im Kajak-Einer am Samstag zu Silber gepaddelt. Die 29-jährige Olympia-Starterin musste sich nur der Ausnahmeathletin Jessica Fox aus Australien geschlagen geben.

„Ich hatte einen sehr guten Renneinstieg, die Linie wunderbar getroffen“, sagte Funk. Nach der Hälfte der Strecke lag die Bad Kreuznacherin noch auf Gold-Kurs. Im unteren Abschnitt verlor sie dann Zeit auf Fox. „Jess ist einfach phantastisch. Sie fährt hier runter als gebe es kein Morgen“, meinte die Deutsche. Funk schaut zuversichtlich auf Tokio, „ich weiß jetzt, dass ich mithalten kann. Aber trotzdem unterschätze ich die Konkurrenz auf gar keinen Fall. Ich habe von einigen Mädels gesehen, was sie in diesem Jahr drauf haben und das wird definitiv nicht nur ein Zweikampf werden.“

Bronze holte die Augsburgerin Elena Apel.

Foto von Uta Büttner.

Tor verpasst

Weltcup in Prag. Von Beginn an lief es diesmal nicht bei Ricarda. Bereits am dritten Tor kassierte die Rheinländerin zwei Strafsekunden. Diese Strafzeit sollte durch Anheben des Tempos wieder herausgefahren werden. Höheres Tempo heißt auch, dass es schwieriger wird auf der Ideallinie zu bleiben und die Balance zwischen Risiko und Kontrolle zu halten. Am Tor neun war dann der Hals nicht lang genug: „Ich hatte ich mich eigentlich ganz gut zurückgekämpft. An der Schlüsselpassage drehte ich etwas zu früh und dann war nur der halbe Kopf im Tor“, erklärte Funk (Boot und Kopf müssen im Tor sein). 50 Strafsekunden bedeuteten schließlich mit Rang zehn den letzten Finalplatz. Elena Apel belegte in diesem Finale als beste Deutsche Platz sieben. Der Sieg ging an die 22-jährige Polin Klaudia Zwolinska.

Kajak-Bundestrainer Thomas Apel resümierte nach dem Kajak-Finaltag: „Es zeigte sich eindrucksvoll, wie hoch die Trauben international hängen. Wir haben heute ein bisschen experimentiert, bewusst offensive Befahrungsvarianten gewählt. Damit sind wir ein höheres Risiko gegangen. In den Ergebnissen hat sich das noch nicht niedergeschlagen, aber wir nehmen einige Lehren mit raus. Wir haben ja Gott sei Dank nächste Woche in Markkleeberg die Chance, es besser zu machen.“ 

In Richtung Olympia geschaut, sagte er: „Der Grundspeed stimmt. Es gibt noch einigen Feinheiten, die es abzustellen gilt. Ricarda fährt souverän durch alle Wettkampfphasen, Qualifikation, Halbfinale. Im Finale hat es dann diesmal leider nicht geklappt.“


Foto von Uta Büttner

Flashback – Heimtraining auf der Ahr

Die Kanu-Slalomstrecke in Sinzig war einer der Stepstones für Ricarda Funk auf dem Weg in die Weltspitze. Am Vergangenen Wochenende legte die Tokyo-Olympiateilnehmerin ihr Heimtraining auf die Ahr. „Ich fühle mich in der Zeit zurückversetzt, hier hat alles angefangen“, erklärt sie dem Pressesprecher Andreas Kranz vom WSV-Sinzig, der zusammen mit dem ersten Vorsitzenden Markus Weller das Training besuchte. Denn auf der kleinen Trainingsstrecke feilte sie als Schülerin an Technik, Kraft und Ausdauer und machte an dem in wenigen hundert Metern entfernt gelegenen Rhein- Gymnasium Sinzig ihr Abitur. „Heute ist meine eigentliche Trainigsstrecke der Eiskanal in Augsburg, wenn ich aber mal hier in meiner Heimat bin, freue ich mich auch auf die Ahr“, so Funk. „Das Ausdauertraining ist hier immer sehr anstrengend, weil Strecke recht kurz ist und man deshalb viele Drehungen einbauen und immer wieder zum Startpunkt zurückfahren muss“.

Funk wird bereits am Montag weiter in das Trainingslager nach Paris reisen, um dort auf der Olympiastrecke für 2024 zu paddeln. „Unter Corona-Bedingungen mit Test und Isolation zu trainieren ist ein hoher Aufwand“, erklärt die 29-Jährige.

Heimtraining auf der Ahr. Ricarda Funk mit Kranz und Weller vom WSV Sinzig,

Titelfoto von : Andreas Kranz vom WSV-Sinzig).

Weiterführender Link:

https://www.wsv-sinzig.de/olympionikin-ricarda-funk-trainiert-in-sinzig/
https://www.wsv-sinzig.de

Anmerkung:
Die Strecke in Sinzig entstand 2004 unter der Leitung von Peter Manheim (VFL Brohl). Die Anlage steht nur in den wasserreichen Zeiten zur Verfügung (Oktober bis März).

Wettkampf unter Coronabeschränkungen in La Réunion

Die Insel La Réunion ist ein französisches Übersee-Département im Indischen Ozean. Dieses Jahr haben die deutschen Spitzenkanuten ihr Trainingslager auf die Vulkaninsel gelegt. Seit einiger Zeit betreibt Frankreich hier eine Wildwasserstrecke, die internationalen Standards genügt und ein Wintertraining unter sommerlichen Temperaturen erlaubt.

Von Uta Büttner. Foto von F. Anton

Seit langer Zeit wieder ein internationaler Wettkampf für die deutschen Slalomkanuten, zumindest für die meisten. Möglich wurde es während des ersten Warmwasser-Lehrganges auf der Insel La Réunion, ein französisches Übersee-Département im Indischen Ozean. Viele europäische Nationen haben sich den Trainingsort herausgesucht. Die Deutschen sind das erste Mal dort. „Wir waren äußerst überrascht über die Trainingsbedingungen hier. Es ist herausragend“, sagte Chef-Bundestrainer Klaus Pohlen. 

Selbst Wettkämpfe wurden am Samstag organisiert. „Die Maßnahmen hygienischen Bedingungen sind so gut, dass wir uns hier sicher fühlen.“ Das Trainingsgelände sei abgeriegelt, Zuschauer sind nicht zugelassen, Masken werden von allen getragen und die Abstände werden eingehalten. Und ein Tag vor dem Wettkampf wurden PCR-Tests vorgenommen.

Herausragend war einmal mehr die Leistung von Ricarda Funk. Die Kajakfahrerin von Bad Kreuznach deklassierte das Feld mit sechs Sekunden Vorsprung. „Ich bin superzufrieden, dass ich nach so langer Zeit so einen tollen Finallauf hatte. Der Einstieg war ein bisschen holprig, nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt habe. Da gab es einen kleinen Fehler, den ich aber im Finale beseitigen konnte. Ich bin megahappy, mein Finallauf war für meine Fähigkeiten nahezu perfekt“, sagte die 28-Jährige.

Speziell im K1-Herrenbereich war der Wettkampf sehr interessant, da von den Top-15-Nationen neun anwesend sind, sagte Pohlen. In den anderen Disziplinen war die Konkurrenz insbesondere in der Breite zwar nicht vergleichbar, dennoch waren Top-Leute am Start.

Zwei Podestplätze gab es für die C1-Damen. Weltmeisterin Andrea Herzog aus Leipzig wurde Zweite, musste sich der Spanierin Nuria Vilarrubla knapp geschlagen geben. Doppelstarterin Elena Apel aus Augsburg landete auf Rang drei.

Den Herren ist eine Fahrt auf ein Treppchen nicht gelungen. Der Augsburger Hannes-Aigner, Olympia-Starter im K1, und C1-Spezialist Franz Anton aus Leipzig paddelten auf den siebten Platz. Hannes Aigner: „Nachdem ich jetzt schon einige Wochen bei sehr niedrigen Temperaturen in Augsburg trainiert habe, genieße ich hier im Trainingslager in La Reunion das warme Klima. Die Kanustrecke ist anspruchsvoll genug, um hier anständig trainieren zu können. Die internationale Konkurrenz ist auch größtenteils hier, weil es in Europa momentan für die meisten keine sinnvolleren Alternativen gibt. Der Wettkampf heute war für mich in Ordnung. Er hat aber auch gezeigt, dass es noch einiges zu tun gibt. Daran wird die nächsten Wochen und Monate gearbeitet.“ 

Auch Franz Anton ist mit seinem Abschneiden zufrieden. „Der Finallauf war in großen Teilen okay, weil ich sehr sicher war. Ich hatte zwar trotzdem eine Berührung dabei, aber die Richtung stimmte,  ich muss jetzt noch ein bisschen mehr in die Schnelligkeit gehen.“ Und weil es der erste Wettkampf seit Langem war, „finde ich meinen Lauf ganz in Ordnung. Auch, dass die Puste gereicht hat, ohne dass ich zwischendrin schon gemerkt hätte: Oh, jetzt wird es wirklich hart. Das bestärkt mich darin, dass wir alles richtig gemacht haben. Jetzt freue ich mich auf die echten Wettkämpfe.“

Kajakfahrer Tim Maxeiner (Wiesbaden) hatte Pech und landete wegen zwei Torstabberührungen auf Rang 15. „Wir sind den Wettkampf nach einer harten Trainingswoche komplett aus der Belastung und ohne entsprechende Vorbereitung gefahren. Unter diesen Umständen bin ich vor allem mit meinen reinen Fahrzeiten zufrieden. Wir sind auf dem richtigen Weg und werden diesen in den kommenden Wochen fortsetzen.“

Die Sportler sind auch mit dem Training sehr zufrieden. So sagte Tim Maxeiner: „Bisher läuft das Trainingslager sehr gut. Die Bedingungen sind hervorragend. Wir können hier sehr gut in das spezifische Wildwassertraining einsteigen, nachdem die vergangenen Monate das Grundlagentraining im Vordergrund stand.“ Zudem, so Franz Anton, habe die Strecke internationales Niveau. Lediglich „die klimatischen können einem natürlich manchmal zu schaffen machen, wenn man eine anstrengende Einheit macht.“ Denn, es sind 35 Grad Luft- und Wassertemperatur. Eines ist sich der Leipziger sicher, „ich finde es aber sehr gut hier und es wird auch etwas für die Saison bringen.“

Chef-Bundestrainer Klaus Pohlen ist mit dem bisherigen Verlauf in La Réunion zufrieden. Gemeinsam mit den Trainingswissenschaftlern soll nun auch eine Wettkampfanalyse vorgenommen werden. Die Probleme wurden erkannt, „wir wissen, woran wir noch arbeiten müssen.“ Aber, so betonte er, „wir sind im Plan.“

Ergebnisse La Réunion Open am 6. Februar 2021

K1 Damen

1Funk, RicardaGER87,4 (0)
2Pacierpnik, NatilaPOL93,6 (0)
3Zwolinska, KlaudiaPOL93,6 (0)
5Apel, ElenaGER94,7 (0)

C1 Damen

1Vilarrubla, NuriaESP99,16 (0)
2Herzog, AndreaGER99,23 (0)
3Apel, ElenaGER99,3 (2)

K1 Herren

1Dougoud, MartinSUI81,26 (0)
2Quemeneur, MaloFRA82, 34 (0)
3Degennaro, GiovanniFRA82,43 (0)
7Aigner, HannesGER83,48 (0)
15Maxeiner, TimGER83,18 (4)

C1 Herren

1Jegou, LiamIRE87,76 (0)
2Thomas, MartinFRA87,91 (2)
3Elosegi, AnderESP89,55 (0)
7Anton, FranzGER93,22 (2)
www.kanu.de